Die Arbeit ist davon inspiriert, dass wir träumen, zu fliegen, auch gelegentlich zu fallen; nie jedoch träumen wir den Aufprall. In der Videoperformance fällt ein Mensch durch einen 15 Meter langen Schacht im Palast der Republik. In der Videoinstallation wird die architektonische Struktur des Schachts in einer Bodenprojektion virtuell verlängert. Die Aufnahmen sind vor Ort entstanden. Das Loch in der Plastikplane der Dachabdeckung verrät den Aufnahmewinkel der Kameraaufzeichnung.

Katalogtext:
Der Traum vom Fliegen ...
... in seiner ruiniertesten Gestalt wohnt man ihm, diesem Jahrtausende alten Wunsch, die Schwerkraft und damit die Leiblichkeit zu verlassen, in der Installation Berchtolds bei: indem man sich gen Boden neigt, mit einem Blick in die Tiefe. Die tiefsitzenden Assoziationen, die das Fliegen weckt - Transzendenz des Pneumas, der Atmosphäre, des vertikalen Aufsteigens - sind bei Berchtold verschwunden: visuell versenkt in die Tiefe. Aus der mythisch-anthropologischen Figur des Daidalos - “der Einfallsreiche" - ist in der Endmoderne nur noch der Fall "des Fallenden" übriggeblieben. Das Fliegen hat jegliche Grenzübersteigung, jegliches Berühren-Können des Unmöglichen verloren und zeigt sich in seiner rohsten, ungrazilsten Art: als Fallen durch die Luft, doch eigentlich als Fallen durch die Zeit. Isolation im Stürzen geht mit Weltverachtung und Menschenverachtung einher. Berchtolds Installation erlaubt jedoch, den Sturz wahrnehmend zu begleiten - und löst damit für die Kunst weiterhin ein Versprechen ein, das Vilém Flusser auf Menschen bezog: “Personen sind heute Fallschirme, die sich gelegentlich für einander öffnen." - Eine minimale Geste, von der jedoch fast alles abhängt.
Text: Bernd Ternes

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